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Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Do 6. Mai 2021, 12:28
von cordiali.saluti
Ebi hat geschrieben: Do 6. Mai 2021, 12:17
Aber wenn ich sterbe, will ich das Gefühl haben, dass ich auch gelebt habe.
Sehr gut ... mein noch etwas darüberhinaus gehendes Versprechen an mich
selbst ist:
Mein tolles Leben hat es nicht verdient, in einer Pflegeeinrichtung zu enden.
Ebi hat geschrieben: Do 6. Mai 2021, 12:17
um glücklich zu werden ... hat mit den pekuniären Rahmenbedingungen sehr,
sehr oft nichts zu tun.
Das sehe ich genauso. Das beweist, daß die "Glücklichsten" oft in den ärmsten
Ländern leben.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Do 6. Mai 2021, 13:10
von heinz1
....und dann war da dieser Sonntagnachmittag in Nairobi.

Ich spazierte so durch die Gegend, als mich ein junger Mann ansprach. Zuerst die übliche Frage:"Whats your country?" Und dann ergab eins das andere. Er sei Student und auf dem Sprung nach Germany, und da käme ich ja gerade recht, um ihm etwas über das Land, die Leute und die Lebensbedingungen zu erzählen.

Nun ja, es war ein friedlicher Sonntagnachmittag, ich hatte nichts besonderes vor, und das Rathaus von Nairobi mit seinem großen grünen Innenhof schien mir ein sicherer Ort zu sein, mich mit diesem "Studenten" zu unterhalten.

Wir nahmen also Platz, bestellten Fruchtsaft, und ich wartete auf seine Fragen. Aber die kamen nicht. Stattdessen kamen immer mehr junge Männer an unseren Tisch, und schließlich erschien der "Chef" der Truppe, ein junger Mann im Nadelstreifenanzug mit Sonnenbrille, Goldkettchen an den Handgelenken und ein paar Ringen an den Fingern.

Er stellte sich als Botschafter von Nelson Mandela und dem ANC vor. Und ohne weitere Umschweife bat er mich um eine Geldspende für den "guten Zweck". Ich lehnte ab, denn ich kannte selbst genug "gute Zwecke", um die ich mich zu kümmern hatte.

Die Stimmung wurde frostig. Es wurden mehr Getränke bestellt aber nicht bezahlt.

Man fragte:" Bist Du etwa für die Apartheit und gegen Mandela ?" Ich verneinte, bestand aber darauf, dass ich kein Geld spenden werde.

Die Herren rückten näher an mich heran. Ich rief den Kellner und verlangte die Rechnung. Ich bezahlte alle Getränke, auch die, die ich nicht bestellt hatte.

Dann machte der Mann im Nadelstreifen einen letzten Versuch:" Schreib mir Deinen Namen und Deine Adresse auf. Mandela wird Dir einen Brief schicken."

Ich lehnte ab, stand auf und ging hinaus. Draussen fielen mir ein paar Typen auf, die mich beobachteten und ein Stück verfolgten.

Wochen später traf ich in Ruanda einen Briten, und wir sprachen so über unsere Erlebnisse in Afrika. Als ich ihm von dem Sonntagnachmittag in Nairobi erzählte, wurde er ganz still. Aber dann berichtete er, wie es ihm ergangen war.

Er war auch im Innenhof von dem Rathaus von den jungen Männern belabert worden, und er hatte Geld gegeben und seinen Namen und seine Adresse genannt. Draussen wurde er dann verhaftet und beschuldigt, eine Terrororganisation unterstützt zu haben.

Man hat ihn laufen lassen, aber erst, nachdem er sein gesamtes Geld abgeliefert hatte.

Ich gehe davon aus, dass Mandela nichts von diesen Umtrieben gewusst hat.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Do 6. Mai 2021, 13:46
von Ebi
Nairobi-ANC-Mandela? Mit der Geschichte hätte man mir auch kein Geld raus geleiert. Ausweis verlangen hilft in vielen Lebenslagen. Und Städte meiden, so gut es geht, auch.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Do 6. Mai 2021, 17:21
von akany
heinz1 hat geschrieben: Do 6. Mai 2021, 13:10
....und dann war da dieser Sonntagnachmittag in Nairobi.

...

Wann war das? Welches Jahr?

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Fr 7. Mai 2021, 08:40
von heinz1
akany hat geschrieben: Do 6. Mai 2021, 17:21

Wann war das? Welches Jahr?

Das war im Sommer 1989.
Die Story war nicht als aktuelle Warnung gedacht sondern als kleiner Erlebnisbericht.

Nairobi war damals kein besonders gefährliches Pflaster, wenn man die Gegend um die River Road und ein paar unübersichtliche Parks mied.
Ich bin etwa 4 Wochen da geblieben, auch wegen des milden Klimas. Und auf dem Camping bei Mama Roche war immer was los :-)

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Sa 8. Mai 2021, 11:39
von max mara

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Sa 8. Mai 2021, 11:47
von Snowpark
max mara hat geschrieben: Sa 8. Mai 2021, 11:39
Valera und hopsassa Musik:
"In Afrika ist Muttertag"
*CRAZY*

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Sa 8. Mai 2021, 11:52
von max mara
Sorry, ich glaube das war der falsche Link zu einem Afrikabesuch . Beim richtigen geht es um die massive Belastung des deutsch-marokkanischen Verhältnisses. Ob Reisen in das Königreich zur Zeit sinnvoll sind, vermag ich nicht zu sagen.

https://de.rt.com/afrika/117137-streit- ... okko-ruft/

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Sa 8. Mai 2021, 12:04
von Chief_U
RT-News…. 8-)

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Sa 8. Mai 2021, 16:31
von Ebi
max mara hat geschrieben: Sa 8. Mai 2021, 11:52
Sorry, ich glaube das war der falsche Link zu einem Afrikabesuch . Beim richtigen geht es um die massive Belastung des deutsch-marokkanischen Verhältnisses. Ob Reisen in das Königreich zur Zeit sinnvoll sind, vermag ich nicht zu sagen.

https://de.rt.com/afrika/117137-streit- ... okko-ruft/
Ich glaub nicht, dass sich momentan die Frage stellt. Da gibt es einen, der nach 15 Monaten wieder gerne sein Mobil besuchen würde. Nach Marokko kommt man wohl noch immer nicht rein.

Generell ist es aber so, dass man diplomatische Verwerfungen nicht zum Anlass nehmen muss, um ein Land zu meiden. Dann reduzieren sich die Ziele und die Sensibelchen müssen das Land verlassen, wenn sich die Politiker eine Zeit lang nicht grün sind. Irgendwann mögen sie sich wieder.

Dass Marokko angepisst ist, verstehe ich. Wenn man China einlädt um über die Westsahara zu sprechen, Marokko aber nicht, ist das halt ne diplomatische Meisterleistung.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: Sa 8. Mai 2021, 18:53
von AlterHans
Nach meinen heutigen Recherchen ist es Deutschen und Menschen die aus Deutschland einreisen wollen immer noch verboten nach Marokko zu reisen. Auch über Drittländer geht das nicht.
Verstehe dieses Verbot nicht da Marokko noch vor zwei Jahren den Tourismus gepuscht hatte und viele Mittelständler sich damit eine Existenz aufgebaut haben die nun zum Scheitern verurteilt ist. Weil kaum noch Touristen da sind. Habe schon Hilferufe vom Erg Chebbi erhalten deswegen.

https://www.faz.net/aktuell/politik/aus ... 31466.html

Von Corona ist Marokko weniger betroffen als Mitteleuropa.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 07:54
von Ebi
Hans, wenn da ein Hilferuf kommt, muss man den aber an die eigene Regierung richten, die verbieten ja die Einreise nach Marokko. Wenn man übersetzen könnte, wären bestimmt viele Menschen über den Winter dort gewesen, so, wie es gute alte Tradition ist. Wahrscheinlich hat man Angst, dass man sich mit den Europäern auch Corona ins Land holt.

Der nächste Winter wird wieder normal, vielleicht boomt es sogar grandios, weil die Leute mit den Hufen scharren und es überhaupt nicht abwarten können, das schöne Land endlich wieder zu besuchen. Ich glaube auch nicht, dass der Zwist zwischen den Regierungen von DE und Marokko Auswirkungen auf die Reise im Land hat. Die Besucher werden sehr willkommen sein, und wer Angst vor dem Land hat, soll halt daheim bleiben.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 09:20
von heinz1
Marokko gehört nicht zu meinen Favoriten, allerdings war ich nur einmal dort, und das ist sehr lange her, und da war noch der alte König im Dienst, dem der Tourismus eigentlich egal zu sein schien.

Nach seinem Ableben kam der neue König ins Amt, und der hat seinen Landsleuten schnell per Dekret verboten, die Touristen an einem Stück zu belästigen und zu bescheissen, was vorher völlig normal gewesen war.

Leider habe ich es seitdem nicht mehr dahin geschafft. Im Sommer ist es mir zu heiss, im Winter muss ich aus diversen Gründen in D bleiben, und in den Übergangszeiten bin ich gerne in Europa unterwegs. Und dann kamen auch noch die Pandemie und jetzt die diplomatischen Verwicklungen, die ich überhaupt nicht verstehe.

Was ich mir immer schonmal vorgestellt habe, ist eine Reise rund ums Mittelmeer, so wie Paul Theroux sie in seinem Buch "An den Gestaden des Mittelmeeres" auch schon vorhatte.......und nicht wirklich geschafft hat. Und auch heute scheint sowas unmöglich zu sein.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 09:31
von Ebi
heinz1 hat geschrieben: So 9. Mai 2021, 09:20
Was ich mir immer schonmal vorgestellt habe, ist eine Reise rund ums Mittelmeer, so wie Paul Theroux sie in seinem Buch "An den Gestaden des Mittelmeeres" auch schon vorhatte.......und nicht wirklich geschafft hat. Und auch heute scheint sowas unmöglich zu sein.
Da wäre aber noch Algerien. Schwierig.

"Bescheissen" ist so ne Sache... Wenn man DE verlässt und gen Süden fährt, häufen sich im Bekannten- und Freundeskreis die Geschichten zu dem Thema schon auffällig. Oft mit dem Zusatz, dass man selbst hätte besser aufpassen sollen.

Nett finde ich schon wieder, dass das per Dekret verboten werden muss.

Mich hat einer vor der letzten Reise im Frankfurter Flughafen aufs Kreuz gelegt. Geht nur mit eigener Mithilfe, ich hatte Mitleid und deshalb die vorhandenen Warnsignale ausgeblendet. Wenn dir einer Ticket und Reisepass zeigt, Geld will, damit er heim kommt... Hab das fotografiert, später an die Polizei gesendet, die haben nicht mal geantwortet. DE war das, DE! Nicht Marokko.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 09:39
von Sparks
Für mich wäre so eine Reise ums Mittelmeer auch eine tolle Sache.
Palle Huld mit seinem Freund und einem Motorrad-Gespann gehört bei mir zu den üblichen Verdächtigen, die mir die Reiselust wiedergegeben haben.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 10:03
von heinz1
Ja, Mitleid kann auch so eine Falle sein. In Bombay (heute Mumbai) sprachen mich im Telefonamt zwei Deutsche an und erzählten mir eine schaurige Geschichte von gestohlenen Pässen, Geschwüren an den Beinen (waren sichtbar), Hunger, einer überstandenen Drogensucht und der unmenschlichen Behandlung im deutschen Konsulat.

Ich gab ihnen etwas Geld, verbunden mit dem naiven Rat, es nicht für Drogen auszugeben.

Als ich nach vier Wochen wieder in diesem Amt war (Mobilfunk gab es noch nicht) , sprachen mich die selben zwei wieder an und erzählten die selbe traurige Geschichte. Sie erkannten mich offenbar nicht mehr.

Später habe ich noch andere Touristen getroffen, die von den selben beiden Deutschen im Telefonamt von Bombay berichteten.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 10:05
von <Anon1>
heinz1 hat geschrieben: So 9. Mai 2021, 09:20
Marokko gehört nicht zu meinen Favoriten, allerdings war ich nur einmal dort, und das ist sehr lange her, und da war noch der alte König im Dienst, dem der Tourismus eigentlich egal zu sein schien.
...
Was ich mir immer schonmal vorgestellt habe, ist eine Reise rund ums Mittelmeer, so wie Paul Theroux sie in seinem Buch "An den Gestaden des Mittelmeeres" auch schon vorhatte.......und nicht wirklich geschafft hat. Und auch heute scheint sowas unmöglich zu sein.
Da muss ich mich doch mal melden. Nach fünf Reisen nach Marokko seit 2005 kann ich über keine gravierenden negativen Erfahrungen berichten. Die Menschen haben eine andere Mentalität, die Touristen in den großen Kisten sind in deren Augen sehr reich, daran will der eine oder andere partizipieren. Aber mit freundlichen Umgang, manchmal auch bestimmt, hat man keine Probleme. Die vielen positiven Kontakte wiegen das bei weitem auf. Ich hoffe nächstes Jahr wieder nach Marokko zu fahren. Immer schnell weg von der Küste, weg von vollen Campingplätzen mit vielen europäischen Dauercampern, hinter dem Atlas Gebirge tut sich eine andere Welt auf.

Eine Umrundung des Mittelmeeres war auch mein Wunsch, aber das hat sich aufgrund der Umstände erledigt.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 10:15
von heinz1
MobilLoewe hat geschrieben: So 9. Mai 2021, 10:05
. Nach fünf Reisen nach Marokko seit 2005
Der "neue " König kam 1999 ins Amt und hat dann das o.a. Dekret erlassen.
Seitdem sollen die Belästigungen und Betrügereien zurück gegangen sein.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 11:08
von max mara
Bei einer Kreuzfahrt sind wir vor 3 Jahren auch den Hafen von Casablanca für zwei Tage angelaufen. Einen Tag haben wir genutzt für einen Ausflug nach Marrakesch. Die Küstenregion (auch Marrakesch) ist touristisch erschlossen, die Straßen sind gut und die (Bau) Wirtschaft boomt. Wir waren positiv beeindruckt von den gut ausgebauten Straßen. Die Marokkaner verhielten sich freundlich gegenüber Touristen. Dienstleistung wird groß geschrieben und dort ist dort ein € noch 11 MADirham wert. Selbst bei den wenigen Eindrücken, die ich in 2 Tagen sammeln konnte muß ich sagen; es ist ein superschönes Land.
MobilLoewe hat geschrieben: So 9. Mai 2021, 10:05
Ich hoffe nächstes Jahr wieder nach Marokko zu fahren. Immer schnell weg von der Küste, weg von vollen Campingplätzen mit vielen europäischen Dauercampern, hinter dem Atlas Gebirge tut sich eine andere Welt auf.
Vielleicht ergibt sich für uns auch mal die Möglichkeit, fernab eines Massentourismus, Marrokkos Hinterland mit dem Reisemobil kennen zu lernen. Ich bin schon jetzt neugierig.

Re: Pandemie hin oder her, Afrika musste sein

Verfasst: So 9. Mai 2021, 12:06
von Ebi
Max, im nächsten Winter wird sicher wieder geöffnet, ab da liegt es dann an dir. Südlich des Atlas, wie Bernd schon meinte, wird es sehr angenehm. Oben links geht´s halt ähnlich zu wie am Gardasee im Juli, schlimmschlimmschlimm. Aber auch da gibt es halt den Vorteil des Klimas, sonst würden nicht so viele Menschen in unserem Winter hinfahren.