MobilLoewe hat geschrieben: Do 31. Dez 2020, 15:16
Wenn Martin (Frenzi) mitliest, der hat bestimmt einen Rat was besser ist.
Mache ich gern, Bernd.
Soweit ich weiß, ist ein Feuerlöscher bei allen Fahrzeugen > 3,5to zgG Pflicht. Aber da bin ich kein Spezialist. Als Feuerwehrbeamter bei einer Berufsfeuerwehr mit über 30 Jahren Erfahrung schon eher. Deswegen hier ein Text, den ich allgemein für alle Bereiche mal geschrieben habe:
Brandschutz zuhause und unterwegs
Ich schreibe hier mal eine Zusammenfassung von Tipps, wie ihr euch zuhause und im Wohnmobil vor den Gefahren eines Brandes schützen könnt.
Wo fange ich an?
Nun, ich denke, bei den Gefahren, vor denen man sich durch einfache Maßnahmen schützen kann. Dem Schicksal unseres nahenden Todes kann man nicht entgehen, aber vielleicht ein wenig Aufschub herausschinden…
Das böse CO
„Beim Feuer stirbst du nicht durch die Flammen, sondern durch den Rauch“. Ein Satz, den man oft hört und der im Prinzip auch richtig ist. Bei einer Verbrennung von den Stoffen, mit denen wir uns meistens umgeben, entsteht neben sehr vielen anderen tödlichen Atemgiften das Kohlenstoffmonoxid, kurz CO. Bitte nicht mit CO2 verwechsel! Das CO2 wird wohl auch als Löschmittel in besonderen Bereichen eingesetzt, ist aber auch ein Atemgift. Gebräuchlich für CO ist auch der Begriff Kohlenmonoxid.
Es ist von allen das gefährlichste Atemgift, welches euch nachts ohne aufzuwachen bei einem Brand töten wird. Der Grund der Entstehung von CO ist, dass die Verbrennung in einem geschlossenen Raum meistens nicht ideal und gesteuert abläuft (wie z.B. bei einer Therme oder in einem Motor), sondern „unvollkommen“. Anders gesagt, ist das Verhältnis von Sauerstoff zu brennbarer Stoff nicht in einem optimalen Verhältnis. OK, verstanden?
Mit zunehmender Konzentration in der Atemluft bewirkt das CO mehr oder minder Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod. Die Konzentration wird in PPM gemessen (Parts per Million). Geht davon aus, dass bei einem Brandereignis in eurem Haus oder Wohnmobil die Konzentration so hoch ist, dass sie euch töten wird. Wenn ihr in einem rauchgasgefüllten Raum 2-3 tiefe Atemzüge macht, kann das schon die Bewusstlosigkeit und anschließend den Tod herbeiführen. Bei einem schadhaften Kaminofen oder einer Therme kann das anders sein. Da tritt das CO schleichend und langsam aus. Es lässt euch langsam einschlafen und nie wieder aufwachen.
Schutz vor Rauchgas und CO durch entsprechende Melder
Hier möchte ich einiges trennen: Das Entstehen von Rauchgas (mit CO) und Entstehen von CO durch mangelhafte Geräte oder Heizungsarten. Gegen das CO im Brandrauch kann man sich im Prinzip nur aufmerksames Handeln (Vermeidung von Fehlern) und durch die Montage von Rauchmelder schützen. Die Rauchmelder, die ihr ja wahrscheinlich kennt und auch hoffentlich montiert habt, erkennen durch ein meist optisches Verfahren den Brandrauch und lösen einen akustischen Warnton aus, der euch aufmerksam macht. Nachteil: Sie erkennen auch Wasserdampf als Rauch und können Fehlauslösungen produzieren. Auch Kochdünste in der Küche (wenn z.B. der gute Frühstücksspeck gebraten wird) und Staubaufwirbelungen können Fehler produzieren. Deswegen werden Rauchmelder auch nicht für die Montage im Bad und in der Küche empfohlen. Mehr über „küchentaugliche“ Melder kann man hier lesen:
https://www.rauchmeldertest.net/rauchmelder-in-der-kuche/
Martin empfiehlt (1):
a) Rauchmelder
Für die Montage in Wohn- und Schlafräumen zuhause empfehle ich euch Rauchmelder, am besten mit einer Langzeitbatterie. Diese Batterien halten 10 Jahre. Danach sollte der Melder eh ausgetauscht werden. Sie sollten der DIN EN 14604 entsprechen und möglichst das VdS-Zeichen tragen. Bei Wohngebäuden mit mehreren Etagen haben sich vernetzte (meistens per Funk) Melder bewährt. Löst einer der Melder aus, ertönt das Warnsignal bei allen Meldern. Sie sind natürlich teurer als Standardmelder.
In Küchen und Bädern empfehle ich so genannte Hitzemelder, bei denen oben genannte Fehlalarme durch Wasserdampf und Dünste ausgeschlossen sind. Sie reagieren auf das Überschreiten einer bestimmten Temperatur. Logisch, dass sie erst später als ein Rauchmelder reagieren. Im Reisemobil habe ich einen kleinen Minirauchmelder im Bereich der Kojen installiert, der kaum auffällt.
b) CO-Melder
Wie ich oben geschrieben habe, bildet sich CO bei einer unvollkommenen Verbrennung. Das kann durch ein Schadenfeuer oder auch durch fehlerhafte Verbrennungen in Kaminöfen, Thermen und anderen Geräten entstehen, bei denen Gas zur Wärmeerzeugung verbrannt wird. Also auch in unseren Reisemobilen. Neben der regelmäßigen Wartung von Thermen und Gasgeräten empfehle ich euch für das Reisemobil, und, falls ihr zuhause eine Feuerstätte wie eine Gastherme oder Kaminofen habt, die Montage eines CO-Melders. Da CO minimal leichter als Luft ist, sollte der Melder in etwa der Kopfhöhe montiert sein. Ich habe ihn bei uns im Reisemobil in Höhe der Kopfkissen im Alkoven montiert. Ich benutze ein CO-Melder von "Fire-Angel" im Reisemobil und früher zuhause, als ich noch einen Kamin hatte.
Bedenke: Ein CO-Melder ist nur als Ergänzung einzusetzen. Er kann keinen Rauchmelder ersetzen!
Der Vorteil dieses Gerätes von Fire-Angel ist, dass man bei Nichtbenutzung im Reisemobil die Stromversorgung unterbrechen kann (Einstecken eine Brücke) und die Batterie somit noch länger hält. Zudem zeigt er auch die Temperatur an und kann auch wie ein Wecker aufgestellt werden. Nachteil: Ab und zu blitzt er und zeigt seine Einsatzbereitschaft an, das kann störend sein.
c) Möglich Gefahrenquellen vermeiden
Statistisch entstehen die meisten Schadenfeuer in Wohngebäuden in der Küche und in den Räumen, wo Trockner, Wachmaschine etc. betrieben werden. Auch in Garagen entstehen oft Brände. Warum? Nun, in Küchen ist oft der Mensch die auslösende Quelle, weil er z.B. voll des guten Weines die Bratwurst in der Pfanne vergisst oder die Fritteuse zu heiß wird und sich das siedende Fett entzündet. Geräte mit interner Wärmequelle (Heizlüfter, Trockner, Spül- oder Waschmaschine) können durch technische Defekte ein Feuer verursachen. Und dann sind da noch die beliebten Akkus für unsere Akkuschrauber und geliebten eBikes. Ja, richtig gelesen! Li-Ionen-Akkus können mitunter beim Laden durch Fehler im Ladegerät und im Akku selbst „hochgehen“ und brennen:
Hier erscheint normalerweise ein Video von YouTube. Bitte wende dich an einen Administrator.
Ein Grund, warum es zunehmend in Garagen brennt!
Martin empfiehlt (2):
Trockner, Spül- und Waschmaschinen nicht „allein“ zuhause lassen, wenn sie in Betrieb sind. Akkus von eBikes und anderen leistungsstarken Geräten (ich meine jetzt nicht das Navi im Mobil) nicht während der Nacht unbeaufsichtigt laden, also auch nicht in der Heckgarage im Reisemobil. Heizlüfter nicht aus den Augen lassen!
Wenn´s denn mal brennen tut..
Ein schwieriges Thema… Vorab: Bitte spielt nie den Helden! Wichtig ist euer Leben und das eurer Liebsten. Im Zweifel sofort (!) das Heim oder das Mobil über die bekannten Fluchtwege verlassen. Den Rest zahlt die Versicherung. Seid ihr z.B. mal ausnahmsweise in einer Wohnung, Hotel oder ähnlicher Unterkunft (also nicht unterwegs

) und nehmt Brandgeruch und Rauch war, überlegt euch bitte ganz genau, ob ihr durch einen rauchgefüllten Raum flüchten wollt. Öffnet ihr eine Tür und euch schlägt Brandrauch entgegen (der Raum dahinter steht unter Überdruck), versucht bitte sofort die Tür zu schließen und geht nach Absetzen des Notrufes 112 ans offene Fenster. Nicht in den Rauch laufen! Im Erdgeschoss könnt ihr natürlich durch das Fenster steigen. Behaltet die Ruhe und wartet, bis die Feuerwehr eintrifft. Ggf. könnt ihr Tücher an den Türschlitz legen, damit
der Rauch weniger eindringen kann. Übrigens an die Hausbesitzer, die gerne ihre Türen verrammeln: Abgeschlossene Haustüren können eine Todesfalle sein! Stellt euch vor, ihr müsst in einem verrauchten Hausflur den Schlüssel zur Tür suchen – ein No Go! Ich habe zuhause ein Knebelschloss an der Haustür, also von außen einen normalen Schließzylinder, von innen ein Drehknebel zum Verschließen.
Löscher für Entstehungsbrände
Nun, nicht immer brennt es so stark und ihr könnt ggf. einen Entstehungsbrand (!) selber löschen. Dafür gibt es für die verschiedenen Brandklassen verschiedene Löscher:
Brandklasse A:
Brände fester Stoffe, hauptsächlich organischer Natur, die normalerweise unter Glutbildung
verbrennen z.B. Holz, Papier, Stroh, Textilien, Kohle, Autoreifen
Brandklasse B:
Brände von flüssigen oder flüssig werdenden Stoffen z.B. Benzin, Benzol, Öle, Lacke, Teer,
Äther, Alkohol, Stearin, Paraffin
Brandklasse C:
Brände von Gasen z.B. Methan, Propan, Wasserstoff, Acetylen, Erdgas, Stadtgas
Brandklasse D:
Brände von Metallen z.B. Aluminium, Magnesium, Lithium, Natrium, Kalium und deren
Legierungen
Brandklasse F:
Brände von Speiseölen bzw. Speisefetten in Frittier- oder Fettbackgeräten oder anderen
Küchengeräten bzw. Kücheneinrichtungen
Der am meisten auftretende Brand in eurer Umgebung wird der von Holz, Gardinen, Teppich, Stoffe etc. und in seltenen Fällen auch Brände von Kraftstoff oder siedenden Fett sein.
Martin empfiehlt (3):
Ihr kennt sicher diese Pulverlöscher, die für die Brandklassen A, B und C zugelassen sind. Sie sind übrigens Vorschrift in allen Fahrzeugen über 3,5to zGG. Für das Führerhaus (!) im Reisemobil empfehle ich euch einen 2-4 kg Pulverlöscher. Der Vorteil dieser Löscher ist, dass er für die 3 gebräuchlichsten Brandklassen zu gebrauchen ist. Aber bitte nur für den Motorraum und die Reifen außen benutzen. Denn diese Löscher haben einen gravierenden Nachteil:
Sie verteilen fein verteiltes Pulver (ähnlich Backpulver) beim Abblasen. Dabei ist dann der sekundäre Schaden um ein Vielfaches höher als das brennende Adventsgesteck auf dem Tisch. Denn das Pulver werdet ihr noch nach Jahren in allen Ritzen des Hauses oder Wohnmobils vorfinden. Für den
Heim- und Wohnmobilgebrauch rate ich zu Löschsprays. Sie enthalten ein Wasser- Schaummittelgemisch und sind auch von Laien in Panik zu bedienen (Haar- und Deospray kennt jeder).
Am besten für zuhause 2-3 Dosen, im Reisemobil 1-2 Dosen griffbereit (!) vorhalten. Hier ein Beispiel:
Es gibt diese Sprays auch für Fettbrände (Brandklasse F). Aber wer frittiert schon im Wohnmobil?

Nur bitte beachten: Bei Fettbränden und Benutzung von Sprays für die Brandklasse F kommt es zunächst zu einer heftigen Reaktion. Unterbricht man das Sprayen, kann der Schuss nach hinten losgehen. Bei Fettbränden und kleinsten Bränden empfehle ich daher das Vorhalten einer
Löschdecke im Reisemobil und in der Küche. Am einfachsten ist es natürlich, mit den Deckel einer Friteuse den Luftsauerstoff vom brennenden Fett zu trennen... Beispiel für eine Löschdecke:
Warum Fettbrände nicht mit Wasser löschen? Nun, 1 Liter Wasser ergibt ca. 1700 Liter Dampf. Bringt ihr Wasser in brennendes Fett, taucht das Wasser ein und verdampft schlagartig. Danach zündet das hochgeschleuderte Gemisch durch:
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CO2-Löscher empfehle ich euch grundsätzlich nicht! Sie sollten nur von Profis bedient und eingesetzt werden. Denn
CO2 ist auch ein Atemgift und kann in kleinen Räumen wie in Wohnmobilen eher nachteilig für euch sein. Es ist schwerer als Luft, verdrängt daher den Luftsauerstoff und kann als Atemgift zu einem Atemstillstand führen, wenn die Konzentration hoch genug ist. Außerdem besteht die Gefahr einer Rückzündung, weil CO2 als Löschmittel den brennbaren Stoff so gut wie nicht kühlt. Sie sind eher für Brände in elektrischen Schaltanlagen oder -schränken gedacht.
Tja, dass sollte es zunächst gewesen sein. Ich hoffe, ihr werdet meine Tipps nie ernsthaft benötigen. Und wenn ihr sie befolgt, seid ihr gut vorbereitet…
Zusammengefasst:
Rauchmelder und CO-Melder im Womo montieren, Löschdecke für Fettbrände und Löschspray (1-2 Dosen im Wohnmobil sind ausreichend) bereithalten. Löschspray für die Brandklassen A und B sind ok, Brandklasse F muss nicht sein. Für Fettbrände besser die Löschdecke benutzen.
Die bekannten Pulverlöscher besser nur außen einsetzen, da der Sekundärschaden groß ist. Für Zuhause kann man auch größere Wasser-/Schaumlöscher anschaffen. Aber die sind wesentlich unhandlicher als Sprays und müssen gewartet werden. Bei Sprays bitte auf das Ablaufdatum achten.
Bei Fragen einfach fragen....