Sprinterteufel hat geschrieben: So 22. Feb 2026, 19:52
Ebi hat geschrieben: So 22. Feb 2026, 16:30
Südamerika passt nicht so recht zu unseren Gewohnheiten. Testtrip war Ecuador mit Galapagos, Peru, Brasilien, Argentinien, Bolivien. Vor 1 1/2 Jahren haben wir noch Chile angeschaut. Ist besser für Langzeitreisende, die Distanzen sind für uns zu groß. Und die Hotspots, die wir besucht haben, waren grässlich überlaufen. Haben was gesehen, war schön, aber das war es dann.
Darf ich fragen um welche Gewohnheiten es geht?
Was sind sogenannte Testtrips?
Hotspots überlaufen... bitte ein paar Details... welche...
Ich frage deshalb weil wir 5 Jahre auf der Panamericana unterwegs waren und möchte verstehen warum diese negative Einstellung.
Hotspots in Afrika, z.B. Krüger Park, Victoria Fälle, Okavango Delta, Lüderitz usw. sind die nicht auch überlaufen?
Weltreisende lassen sich nicht von Wiedrigkeiten aufhalten. Wir haben Afrika und Südamerika gesehen... ganz ehrlich Südamerika hat weit mehr zu bieten
Oh Gottchen, da hab ich was angefangen. Ist halt meine private Ansicht, und die hängt von unseren Reisegewohnheiten ab.
Testtrip: sind vor der Verschiffung hin, um zu sehen, ob wir das angehen sollen. Was voll war? Alles. Natürlich waren wir nur an den grandiosen Highlights, ich mag sie nicht aufzählen, aber das Beispiel Wasserfälle ist gut. In Südamerika wurde das auch im Einbahnverkehr geregelt. Und die Menschenmassen waren gewaltig. Man wurde teilweise durchgeschoben, permanent angerempelt. Das war Oktober / November. Bei den Wssserfällen in Afrika kann man von Simbabwe oder Sambia aus hinkommen. Natürlich gibt es da auch Leute, aber ich kann mich etwas abgelegen zu zweit hinsetzen, sehe niemanden, und kann die Optik / Akustik völlig ungestört auf mich wirken lassen. Und ich kann nach Belieben hin und her wandern.
Okavango: da verteilen sich die Leute grandios. Wir sitzen immer im Einbaum (3x schon, im Herbst wieder) und lassen uns durch die Wasserwege stochern. Gesehen haben wir da niemanden. Also Hippos und Elefanten schon. Beim Erstbesuch sind wir mit kleinen Kindern durchgefahren. Manchmal hat man am Tag ein anderes Fahrzeug gesehen, manchmal nicht.
Lüderitz (vermutlich ist Kolmannskuppe gemeint): 2 x dort gewesen, gleich früh, einmal haben wir in dem Cafe dort gefrühstückt. Erstes Mal waren außer uns ca. 10 Leute dort, beim zweiten Mal weniger.
Chile: hat gefehlt, also sind wir hin. Atacama, wunderschön, Sonnenuntergang Mondlandschaft war unerträglich voll, das war eigentlich schon Slapstick. Bin unterwegs, Zugriff auf die Bilder hab ich nicht, aber das war völlig irre. Patagonien dito. Der Knaller war, als wir zu einem schönen See wollten. Am Parkplatz fragte man uns nach Tickets. Die mussten wir online erwerben. Sonst hätten wir da nicht hin dürfen. Bei See 2 und 3 haben wir das vorher gemacht, da wurde uns ein Zeitfenster von 1 Stunde zugeteilt. Wir sind bei Dunkelheit los, um sicher dort zu sein. Am Parkplatz hat man unsere Ankunftszeit auf die Minute genau eingetragen und gesagt, dass wir in einer Stunde weg sein müssen. Sind dann hin gehastet, haben Bilder gemacht, danach flotter Marsch zurück zum Parkplatz, anders war das in 1 Stunde nicht machbar.
Geysire / Atacama: als ich Freunden, die dort früher waren, Bilder geschickt habe, kamen von ihnen welche zurück. Da war nix los, einer hatte sogar neben der Fontäne geparkt und gefrühstückt, Hund sitzt daneben. In unserem Zeitfenster waren locker 1.500 Menschen da, alles war mit Absperrungen versehen. Fotos ohne Menschen drauf waren schwierig. Ausnahmslos alle Freunde, die anderes erlebt haben, sagten, dass sie unter diesen Umständen nicht mehr hingehen würden. Lustiger Weise haben sie alle ein Fahrzeug in Afrika stehen. Weil wir viel in Afrika unterwegs sind, kennen wir natürlich nur Leute näher, die ähnlich reisen.
5 Jahre, das kam und kommt für uns halt nicht in Frage. Früher gab es alte Herrschaften, um die wir uns kümmern mussten. Heute gibt es Enkelkinder, um die wir uns kümmern möchten. Deshalb ist meine Frau auch gerade 2 Wochen daheim.
Freunde sind nun nach Südamerika losgezogen, 6 Jahre wollen sie bleiben. Die Bilder sind grandios, ich sehe sie tagtäglich. Regelmäßig bewundere ich unser früheres Fahrzeug, das hat ein Deutscher, der in Brasilien lebt, gekauft. Momentan sind die Leute damit in Argentinien unterwegs.
Die Art der Reise möchten wir halt nicht machen. So wichtig, dass wir unsere Familie lange Zeit nicht sehen möchten, ist uns die Reiserei überhaupt nicht. Wir legen ab, wenn das Wetter blöd wird, sind Weihnachten daheim, ziehen dann wieder los. Als ich noch gearbeitet habe, sind wir manchmal für 2 Wochen geflogen, haben das eigene Mobil genutzt, und dann sind wir voller Erlebnisse wieder zurück geflogen. In Südamerika fange ich mit 2 Wochen wenig an. Vom bequemen Nachtflug mal ganz zu schweigen.
Und im deutschen Sommer sind wir daheim und pflegen einige langjährige Freundschaften, auf die wir nie und nimmer verzichten wollen. Und etwas gereist wird auch, im Mai z.B. 2 Wochen nach Süditalien. Flug Neapel, Mietwagen, feste Unterkünfte.
Wir haben nicht alles von der Welt gesehen, aber viel. Wir möchten da sein, wo unser Herz ist, und da haben wir unser kleines rollendes Zuhause. Und falls es irgendwann nimmer geht, und das kann sehr plötzlich sein, verkauft einer unserer Freunde, die wir inzwischen gewonnen haben, das Mobil, und gut ist.
Ein guter Freund, der 8 Jahre um die Welt gereist ist, hat danach dahin verschifft, wo er am liebsten war. 7 Jahre stand sein Mobil in Afrika. Wir hatten gute Zeiten zusammen. Er war, wie wir, ne Schwalbe, und ist mit dem Wetter gezogen.
Nachvollziehbar? Vermutlich. Wenn nicht, haben wir halt unterschiedliche Ansichten, das hält die Welt aus.
Von Widrigkeiten lassen wir uns auch nicht abhalten, die Liste ist inzwischen lang. Es ist auch keine Widrigkeit, wenn einem Ansammlungen von Menschen auf den Zeiger gehen. Nächstes Wochenende ist mein jetziges Camp voll gebucht. Ich entfliehe der Hölle und stell mich mutterseelenallein wieder für 4 Tage zu den Zebras. Ist kein offizieller Platz, die Chefin dort hat mein Flehen aber erhört.
Momentan sieht es hier so aus, absolut aushaltbar.
Ich weiß nicht, was ein „Weltreisender“ ist, vermutlich sind wir keine, den Anspruch haben wir auch nicht. Die, die ich kenne und so bezeichnen würde, haben so ziemlich alle ein etwas anderes Umfeld. Viele haben keine Kinder. Hätten wir auch keine, würde ich nie und nimmer in Deutschland leben, womöglich würden wir dann auch dauerhaft reisen. Mit angenehmem Heimathafen aber, das möchten wir haben und der Kontostand gibt es zum Glück her.
Teilweise vermieten die Leute die kleine Wohnung, damit sie sich die Reiserei erlauben können. Haus verkauft, damit es mit dem Reisen klappt, kenne ich auch. Für uns ist es ein tolles Hobby, für viele ist es das Leben. Muss man halt entscheiden. Wir ziehen mit viel Vorfreude los, und wenn wir auf dem Heimweg sind, gibt es keinerlei lange Gesichter, weil wir ein echt schönes Zuhause haben, ne tolle Familie und viele Freunde, auf die wir uns freuen.
Jessas, mein längster Text aller Zeiten! Aber kurz und knapp ist mir nichts eingefallen, was nicht sofort viele Gegenfragen ausgelöst hätte.