Herr Teufel meinte aber, dass ich mit 12V nicht auskäme und bekam gleich lange Zähne, als ich erwähnte, dass ich den Kram unehrenhaft zerlegen wollte, darum habe ich mir jetzt einfach mal spaßeshalber eine insgesamt (noch) 5,1Kg schwere Creative Soundbar (CREATIVE Stage Pro) mit Subwoofer von Herrn Bezos besorgt.
Das Teil läuft auch nur auf 230V (über Steckernetzteil) oder direkt mit 24V über DC-Stecker, aber ich habe mir überlegt, da wir ohnehin eigentlich immer Landstrom haben, dass wir dann auch mal den Wechselrichter bemühen können, wenn Letzteres mal nicht der Fall ist. Dann brauche ich auch nicht schon wieder so viel zu basteln.
Haha, weit gefehlt, jetzt war ich erst richtig angefixt, es startete unverzüglich mein neues Projekt:
Kaum waren das Gerät und dessen Subwoofer ausgetütet, befanden sie sich sekundengleich an TV und unter der Sitzbank, wo ich sie - gemeinsam mit den leiderprobten Nachbarn - erstmal ordentlich getestet habe. (Meine Nachbarn hören immer gute Musik - ob sie wollen oder nicht.
Der Creative-Sound klang zunächst grottenschlecht, furchtbar, irgendwie wie die Eagles aus einem riesigen Joghurtbecher, aber auch für 131.-€ natürlich irgendwie erwartungsgemäß. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt mit etwas Besserem gerechnet habe, war wohl temporäre, geistige Umnachtung oder so.
Weiterhin irritierte es mich immens, dass der 2.1-Sound aus nur einer Richtung kam, nämlich nur aus der einen Soundbar. Die Herkunft der niedrigen Frequenzen aus dem Woofer lassen sich ja bekanntermaßen nicht orten, aber damit sozusagen "Mono" hören, geht für einen Audiophilen absolut gar nicht, auf gar keinen Fall.
Unter der Sitzbank ist das doch recht zuverlässig wummernde Raumsparwunder aber sehr gut gebettet, da er dort keinen Platz wegnimmt und aufgrund ausreichend vorhandener Luftdurchlässe in der Bank ungehemmt seines Amtes walten kann.
Die Soundbar verfügt augenscheinlich auch seitlich über (besonders transportverpackte) Außenorgane, die man vermeintlich mittels Spatial-Einstellung (am Gerät und über Fernbedienung) aktivieren kann, um einen Raumklang zu erzeugen. Wie sich später herausstellte, sind das aber nur aufgesetzte Plastik-Kappen, ohne weitere Funktion.
Der - naja - "Raumklang" wird lediglich mittels Phasenverschiebung über die zwei schäbigen Breitbandlautsprecher in der Gerätefront simuliert.
Was mich besonders entzückte, waren die vielen verschiedenen Eingänge des Gerätes, sogar optisch und HDMI(ARC) werden unterstützt.
Eigentlich ist das System sehr komfortabel und potent, klingt nur scheiße.
Ich habe auch mal aufgedreht, mir das Ganze von Außen angehört und war angenehm überrascht, wie wenig bei geschlossenen Fenstern doch nach Draußen drang, damit hatte ich bei der wirklich schlechten Dämmung der WoMo-Außenhülle nicht gerechnet.
Nach einiger Zeit der Eingewöhnung an den Sound und völlig ratlosem Herumgesuche, wo die definitiv zu große Soundbar denn nun final hinkönnte, kam mir dann zunächst die Idee, sie wieder in ihren heimatlichen Karton zu stopfen und an Jeff zurück zu schicken, dann aber ereilte mich die Eingebung, ich müsse mal wieder die Kreissäge anwerfen.
Noch bewaffnet mit Ersatzteilen von Jamo, Magnat, Yamaha, Panasonic und Bose aus meiner grauen Vorzeit, in der ich extrem viel mit Lautsprechern experimentiert und gearbeitet habe, (wer sie kennt - ich habe auch schon eine Bose-Wave-Cannon nachgebaut, meine Oma fand das knapp 5m-lange Geschütz damals eher weniger gut), wurde die Soundbar kurzerhand in einen irreversiblen Zustand versetzt, in dem sie von niemandem auf der Welt mehr umgetauscht oder zurückgenommen würde.
Gefunden hatte ich noch ein paar richtig schicke Klavierlack-Yamaha-Boxen, die aufgrund ihrer raumgreifenden Abmessungen aber erstmal zum Verbau im WoMo nicht geeignet waren.
Nach ausgiebig angewandter plastischer Chirurgie und einer mit Sägespänen panierten Werkstatt konnte ich sie aber auf ein minimales und damit handliches Maß herunterschrumpfen und mittels filigraner Dremel-Fräsungen auch die Bedienelemente, Buchsen und Display der Soundbar darin, meiner Meinung nach, recht elegant unterbringen.
Die gesamte Technik der Soundbar befindet sich jetzt in nur einem kleinen (12,5x22x15cm) schmucken neuen Lautsprecher, der über seine Anschlussbuchsen nun einen weiteren baugleichen Lautsprecher, ohne weitere Technik - mit Ausnahme der Frequenzweiche - ansteuern kann.
Und was soll ich sagen, Eigenlob stinkt, aber sooooo muss Technik! Jetzt kann man damit richtig Musik hören.
Alle Frequenzen sind jetzt ausgeglichen, der Sound ist richtig linear, warm und gar nicht mehr blechern.
Die von mir unveränderten Bässe klingen dazu stramm und ausreichend potent.
Jetzt kommen auch die Höhen der neuen Lautsprecher sauber hervor und das auch noch aus zwei Richtungen, wie es sich nun einmal gehört.
Ich bin überwältigt, was man aus einem so kleinen Rachefeldzug der Volkrepublik alles machen kann, wenn man es mit etwas Qualität und Arbeit aufpumpt.