Hihi - ich hatte da einen kasachischen Kollegen, der ist nach dem Frühstück - ne 0,7l Fl Dujadin und ne 0,33 Fl Jägermeister - direkt vor der Bauleitung um gegangen. Ich hab ihn heim gebracht und musste ihn dem Chef melden. Er wurde fristlos entlassen.
Sechs Monate später treffe ich seine Frau und frage, wie es so geht. Sie meint, klasse, alles gut. Er hat nen neuen Job. Er fährt jetzt Schulbus.
Ich selber war früher sehr durstig. Man war jeden Abend in der Kneipe - es war unser Jugendtreff. Dart, Billard, Würfeln, Flipper. Freitag und Samstag Abend ging es dann von der Kneipe aus los. In die Disco. Vor Ort gab es keine. Auch keine Öffis, nicht mal Taxis. Jemand musste fahren. Es wurden Fahrgemeinschaften gebildet, hinzus waren die ok, der Fahrer hatte vielleicht drei große Bier.
Heimwärts wurden dann neue Fahrgemeinschaften gebildet. Die nüchternen Mitfahrgelegenheiten waren schon Stunden zuvor weg gefahren. Dann waren es auch mal 10 Personen im Kadett. Man ist ja auch nicht nur hin und heim gefahren, sondern zunächst in die Kneipe, dann Disko A, nix los, weiter zu Disko B, Kumpels getroffen bei ner Kirmes - alle fahren zur Party mit Lagerfeuer im Steinbruch. Zack, wieder 150km drauf. Gerne auch über die Promillewege oder durch den Wald. Und immer Vollgas, der Kadett hat ja nur 50 PS. Es gab nur eine feste Regel: wer ins Auto kotzt, kauft es auch. Nach Hause ging es oft so ab 6,00 Uhr, da die Polizei angeblich um 7 Schichtwechsel macht und sich so kurz vor Feierabend keine Arbeit mehr aufhalst. Komischerweise ist es fast immer gut gegangen - ok das eine oder andere Auto musste dran glauben, der eine oder andere Lappen auch. Verletzt haben sich relativ wenige.
Mit den Maßstäben von heute wären wir jeden Montag in der Zeitung.
Am schlimmsten war der Durst beim Bund. Eine Kiste Flens pro Abend und Person. Da bekam das Sofa-Wochenende plötzlich eine neue Bedeutung.
Die Sauferei wurde danach immer weniger. Schleichend aber deutlich. Heute freue ich mich auf das erste gezapfte Bier in diesem Jahr, hier am Strassenfest im Früh-Sommer.
Daheim ist alles weg. Das ganze Glasgerödel, Wein, auch Eiswein, Amiwhiskey Mist, Likörchen, Scotch blabla - stand jahrelang nur rum - weg damit. Selbst Bier läuft hier ab. Schmeckt mir einfach nicht mehr. Geschenkter Wein kommt ins Gulasch.
Heute trinke ich Kaffee und zuviel Limonade. Zum entspannen rauche ich gerne mal hessische Hecke. Das genügt mir.
Unsere Kneipe existiert sogar noch, ich geh vielleicht im Sommer mal in den Biergarten - kenne aber kaum noch wen. Liegen ja auch 45 Jahre dazwischen
