Alkohol, Genuss oder Sucht? Ich glaube das ist sehr schwer zu beantworten. 1988 habe ich in einem kleinen Dorf mit etwa 200 Einwohnern ein Haus gebaut. Natürlich gab´s auch dort ein "Wirtshaus" so war die Bezeichnung damals. Öffnungszeiten waren von morgens bis abends, und von Montag bis Sonntag. Wenn die Wirtsleute in den Stall mussten (hatten zusätzlich einen Milchviehbetrieb im Nebenerwerb) dann hat man halt selber gezapft und am Bierdeckel angeschrieben. Essen gab es nicht aber es war der zentrale Treffpunkt im Ort. Es gab feste Rituale aus meiner Erinnerung z.B.: Montag kam der Vertreter von der Baywa, Dienstag der vom Autohaus, Mittwoch der Versicherungsvertreter, Donnerstag der Gemischtwarenhändler mit einem Verkaufswagen, Freitag die Sparkasse und am Samstag der Gemeinderat nach der Sitzung. Sonntag war heilig d.h. erst nach der Frühmesse zum Frühschoppen und dann zum Mittagessen nach hause. Alles war geregelt und jeder wusste Bescheid. Wenn ich auf der Baustelle etwas brauchte hat man am Stammtisch nachgefragt und irgendwer kannte irgenwen der das regelte. Nun zurück zum Alkohol...... Es gab eine feste Regelung: Jedes 12.te Bier (also ein Dutzend) war frei, die Kosten die dem Wirt dadurch entstanden sind wurden von den Geschäftsleuten und der Brauerei übernommen, so war die Vermutung damals. Ich hab´s mit eigenen Augen gesehen, manche konnten so 2 Freigetränke am Tag genießen. Und am nächsten Tag waren alle in der Arbeit und abends wieder ....... ! Übrigens, geraucht wurde damals auch noch und wie, wenn man vom "Häus´l" zurück in die Wirtsstube kam konnte man oftmals sehr schlecht erkennen wo sein Platz war.
Heute unvorstellbar, damals wahrscheinlich üblich weil es halt so war und auch keiner mit dem KFZ fahren musste bzw. konnte. Alles war fussläufig zu erreichen es gab in jedem Dorf so ein "Wirtshaus". Unser Wirtshaus gibt es immer noch, jedoch nun als Landgasthof ohne Stammtisch als Speisegaststätte. So ändern sich die Zeiten. Schön war´s irgenwie schon
Viele Grüße opka
(Karl-Heinz)